Blog-Banner von Lykke Media mit der Aufschrift „Dani & Thierno im Gespräch: Das Vermächtnis von Oma Alma und wertebasiertes Unternehmertum“. Der Text liegt auf einem halbtransparenten, abgerundeten Feld vor dem stimmungsvoll weichgezeichneten Hintergrund einer alten, historischen Nähmaschine.

Klar im Herzen. Fest im Stand – das Vermächtnis von Oma Alma.

Was bedeutet es, ein Medienhaus in einer lauten, algorithmusgesteuerten Welt konsequent wertebasiert zu führen? Für Lykke Media ist das keine Marketingfloskel, sondern tägliche unternehmerische Tatkraft. Im zweiten Teil unserer Dialog-Reihe geben die Gründer Daniela und Thierno Bah einen tiefen Einblick in das strategische und moralische Fundament ihrer Arbeit: die Lebensphilosophie der „Nordic Clarity“. Erfahren Sie in diesem persönlichen Gespräch, wie der stille Widerstand von Danis Großmutter Alma im Zweiten Weltkrieg heute den Kompass für radikale Entschleunigung, echte Inklusion und den aktiven Schutz unserer Demokratie formt. Ein Dialog über klare Kante, wirtschaftlichen Erfolg für sozialen Sinn und die Entscheidung für Taten statt leerer Worte.

Daniela und Thiern Bah im Dialog – Reihe 2

Thierno: Dani, auf unserer Website steht der Begriff „wertebasiertes Medienhaus“ ganz oben. Viele Agenturen nutzen Werte heute als reine Buzzwords. Bei uns fließen sie in das Konzept der Nordic Clarity ein. Woher kommt dieser Ansatz eigentlich genau?

Dani: Das ist kein Konzept vom Reißbrett. Nordic Clarity lässt sich in dem Leitsatz zusammenfassen: „Klar im Herzen. Fest im Stand.“ Es ist eine Lebensphilosophie, die ich aus dem unerschütterlichen, stillen Widerstand meiner Oma Alma, wir nannten sie alle liebevoll „Örmchen“, im Zweiten Weltkrieg destilliert habe. Alma Mohrmann war keine laute Frau, aber sie war unbeugsam, wenn es um das Menschliche ging. Ihre Wurzeln lagen in einem kleinen Dorf bei Osnabrück, wo ihr schon früh Menschen auf den Feldern auffielen, über die man im Nationalsozialismus nicht sprechen durfte. Als sie später für ihre Schneiderlehre in die Stadt zog, erlebte sie fassungslos die offene Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung. Das hat sie zutiefst geprägt.

Thierno: Ihr Ehemann hatte ihr vor dem Aufbruch an die Front doch sogar ein Versprechen abgenommen, richtig?

Dani: Ja, ein Versprechen aus nackter Angst. Mein Großvater bat sie inständig, sich still zu verhalten und keinerlei Risiken einzugehen. Er wollte sie schlicht in Sicherheit wissen und kehrte später selbst zwar körperlich unversehrt, aber seelisch für immer gebrochen aus dem Krieg heim. Doch Örmchens Herz ließ dieses Versprechen nicht zu. Trotz der immensen Gefahr für sich und ihre Familie konnte und wollte sie nicht wegsehen.

Ein riskantes Doppelleben im Untergrund

Thierno: Wie sah ihr Widerstand konkret aus? Sie war ja damals als Schneiderin tätig.

Dani: Genau, tagsüber arbeitete sie als Schneiderin und Mannequin. Aber nachts, in ihrem kleinen Zimmer unter dem Dach, begann ihr eigentliches Handeln. Im Nachbarhaus wurden heimlich Menschen versteckt, die auf der Flucht nach Holland oder Belgien waren. Örmchen verbrachte ihre Nächte damit, aus Stoffresten Kleidung für sie zu nähen und geheime Verstecke für deren letzte Wertgegenstände anzufertigen. Sie hat dafür niemals auch nur einen Pfennig angenommen. Es war ihr ganz persönlicher, stiller Protest.

Thierno: Und dann eskalierte die Situation durch die Dienstverpflichtung in der Rüstungsindustrie.

Dani: Richtig. Sie wurde zur Zwangsarbeit in eine Fabrik versetzt, um Fallschirme und Militäruniformen zu nähen. Dort wurde sie täglich Zeugin von unvorstellbarem Elend und brutalen Erschießungen. Ihr tiefes Mitgefühl trieb sie in ein extremes, lebensgefährliches Doppelleben: Nach einer regulären 12-Stunden-Schicht verbrachte sie oft sechs weitere Stunden damit, heimlich Brot zu backen und Decken aus Fabrikresten zu schneidern. Sie schlief oft nur drei Stunden am Tag, um den jüdischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in der Fabrik heimlich Nahrung und Wärme zukommen zu lassen.

Thierno: Bis zum 4. März 1945. Das war der Tag, an dem sie verraten wurde.

Dani: Dieser Tag sollte eigentlich ihr Todesurteil sein. Eine neue Aufseherin beobachtete, wie Örmchen einem Gefangenen ein Stück Brot zusteckte. Ohne Zögern wurde ihre sofortige Erhängung angeordnet. Sie hing bereits am Strick, als das geschah, was sie später Zeit ihres Lebens nur als „Schicksal“ oder reines Wunder bezeichnen konnte: Der hölzerne Galgenbalken brach unter ihrem Gewicht. Obwohl sie kaum Luft bekam und schwer gezeichnet war, schickte man sie nach Hause. Noch am selben Abend floh sie. Zwei Wochen lang irrte sie hungernd, frierend und völlig auf sich allein gestellt durch das Moor, bis sie schließlich erschöpft das Dorf meines Großvaters erreichte: Barnstorf bei Diepholz.

Die größte Zerreißprobe: Menschlichkeit statt Vergeltung

Thierno: Was mich an Almas Geschichte neben dem Überlebenswillen am meisten bewegt, ist die Zeit direkt nach dem Krieg. Da stand sie vor ihrer größten moralischen Zerreißprobe.

Dani: Absolut. Nach der Befreiung durch die britische Armee verschwammen die Grenzen zwischen Recht und brutaler Vergeltung in Deutschland oft. Ein britischer Offizier führte mein Örmchen an den Reihen der ehemaligen Aufseher:innen und Fabrikverantwortlichen vorbei. Ihre Aufgabe war es, jene Personen namentlich zu benennen, die für das unendliche Leid verantwortlich waren, damit diese sofort zur Rechenschaft gezogen werden konnten. Sie blickte in die Gesichter derer, die kurz zuvor über Leben und Tod entschieden hatten, auch in die Gesichter derer, die sie selbst an den Galgen gebracht hatten.

Thierno: Aber sie hat sich bewusst dagegen entschieden.

Dani: Sie tat etwas, das alle umstehenden Offiziere und Soldaten fassungslos machte: Sie rührte keine Hand. Sie ging an der gesamten Reihe vorbei, ohne eine einzige Person zu beschuldigen oder auszuliefern. Trotz ihrer eigenen tiefen seelischen und körperlichen Wunden entschied sie sich ganz bewusst gegen den Kreislauf der Vergeltung. Sie blieb ihrem inneren Kompass treu. Als ich sie später nach ihren Beweggründen fragte, gab sie mir die Worte mit, die heute die gesamte Haltung von Lykke Media tragen: „Daniela, du kannst Unrecht nicht mit Unrecht bekämpfen. Unsere Aufgabe ist es, Menschlichkeit zu zeigen. Vergiss das nie!“

Von der verweigerten Ehrung zur unternehmerischen Tatkraft

Thierno: Im Jahr 1992 sollte sie für ihren Mut eine der höchsten Auszeichnungen erhalten.

Dani: Ja, wobei man die Geschichte dahinter genau kennen muss: Ein Überlebender aus der Fabrik hatte die Aufnahme in die „Allee der Gerechten unter den Völkern“ in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem beantragt. Aber mein Örmchen hat diese Auszeichnung überhaupt nicht angenommen. Für sie war all ihr Handeln kein außergewöhnliches Heldentum, sondern eine absolute Selbstverständlichkeit. Sie weigerte sich konsequent, eine Ehrung für etwas zu akzeptieren, das in ihren Augen schlichtweg die Pflicht eines jeden Menschen in so einer dunklen Zeit sein müsste.

Ihr war dieser offizielle Ruhm vollkommen gleichgültig, ihr ging es einzig um den lebendigen Dialog. Deshalb ging sie auch bis ins hohe Alter unermüdlich in Schulen, um sicherzustellen, dass die Notwendigkeit des „Nicht-Vergessens“ in den Köpfen der Jugend weiterlebt. Doch auch wenn es durch ihre persönliche Ablehnung keinen offiziellen Eintrag von ihr dort gibt: Ich war trotzdem dort. Seit meinem eigenen Besuch in Yad Vashem im Jahr 1997 ist diese Mahnung mein täglicher, treuer Begleiter.

Thierno: Und genau hier schließt sich der Kreis zu unserem Alltag bei Lykke Media und der aktuellen gesellschaftlichen Situation.

Dani: Ganz genau. Wenn ich heute die lauten, rechtspopulistischen Strömungen in unserer Gesellschaft sehe, spüre ich oft eine kurze Erstarrung. Aber Almas Erbe zwingt mich, diese Erstarrung abzuschütteln und sie in unternehmerische Tatkraft umzuwandeln. Die Freiheit unserer Demokratie ist kein statisches Geschenk, das man einmal erhält und für immer besitzt. Sie ist eine tägliche, aktive Aufgabe. Jeder von uns kann in seinem Bereich verhindern, dass Artikel 1 unseres Grundgesetzes – die Würde des Menschen ist unantastbar – zu einer leeren Floskel verkommt .

Aus Örmchens unerschütterlichem Geist heraus haben wir die sechs Kernwerte für unser Medienhaus und unsere Onlinebuchhandlung destilliert: Zusammensein, Vertrauen, Gesundheit, Geld, Freiheit und Freundlichkeit. Sie sind unser Werkzeugkasten, um mutig zu sein, uns von gesellschaftlichen Leistungsschablonen zu befreien und sichere, digitale Ruhe-Inseln für die Seele zu bauen.

Gemeinsam neue Räume gestalten

Die Lebensgeschichte von Alma Mohrmann zeigt uns eindrucksvoll, dass wirtschaftliches Handeln, höchste professionelle Qualität und zutiefst gelebte menschliche Empathie kein Widerspruch sind, sondern das stabilste Fundament für die Zukunft bilden.

Mehr über diesen standhaften Ansatz erfahren Sie auf unserer Seite „Unsere Haltung“. Seien Sie gespannt: In unserem kommenden Buch führen wir diese Gedanken ausführlich weiter und zeigen, wie ein geschütztes Premium-Umfeld und zukunftsfähige Kulturarbeit erfolgreich Hand in Hand gehen.

Ein Ausblick für unsere Leser:innen und Partner: Die Geschichte von Oma Alma ist so reich an bewegenden Details, Dokumenten und historischen Zusammenhängen, dass sie den Rahmen eines einzelnen Beitrags sprengt. Wir freuen uns daher unheimlich, Ihnen bald die vollständige, literarisch aufgearbeitete Biografie präsentieren zu dürfen: Im Hintergrund arbeiten wir bereits intensiv an unserem großen Buchprojekt „Starke Frauen – Starke Werte“. Es wird das erste wegweisende Werk unseres Verlages sein – ein Buch, das starken Persönlichkeiten und ihren unbestechlichen Werten eine würdevolle und bleibende Bühne schenkt.